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Johannes Wagner: Schalke-Spiel gibt Mut

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Kirchberger Jugendfußballer wird nach Schien- und Wadenbeinbruch ein Jahr pausieren müssen, ist aber in Aicha dabei
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Sofa statt Strafraum, Krücken statt Konter: Johannes Wagner (DJK Kirchberg)verletzte sich im ersten Spiel in der "Ersten" schwer - sein Team wird er aber am Sonntag in Aicha moralisch unterstützen. - Foto: rogerimages

Von Michael Witte
Es war der Horror-Unfall: Der Kirchberger Johannes Wagner (18) musste beim ersten Einsatz für die Herrenmannschaft mit einem Schien- und Wadenbeinbruch ins Klinikum. Nach der OP wollte er nie mehr kicken, doch das grandiose Schalke-Spiel in Mailand verlieh ihm neuen Mut: „Ja, ich spiele wieder Fußball.“

 Diese Szene wird Johannes Wagner sein Leben lang nicht vergessen: Am vergangenen Sonntagnachmittag in der 67. Minute des Kreisklassenspiels zwischen Kirchberg v.W. und Haselbach stürmt Haselbachs Keeper Manuel Dutschke beim Stand von 2:0 für den Tabellenletzten Kirchberg aus seinem Kasten, um den in den Strafraum drängenden Wagner vom Ball zu trennen. Beide Fußballer prallen zusammen: „Ich weiß noch, wie der Torwart auf mich zukommt, aber dann weiß ich nicht mehr viel“, kann sich der junge Mann nicht mehr genau an die Szene erinnern. Zu groß ist die Pein, die aus seinem rechten Bein strahlt. „Ich hatte Schmerzen wie der Teufel“, sagt der Stürmer. Kein Wunder, sein Schien- und Wadenbein sind gebrochen. 

Wagner schreit vor Schmerzen, doch der Sanka braucht 20 quälende Minuten. Um ihn herum ist Tumult, ein Haselbacher Spieler geht zu Boden, der Schiedsrichter bricht das Spiel ab − doch das nimmt der 18-Jährige nicht mehr wahr. Als der Krankenwagen endlich eintrifft, jagen die Sanitäter dem Verletzten erst einmal 200 Milliliter Morphium in die Adern, noch am Abend wird der Fußballer im Klinikum Passau operiert.

 Viel Metall trägt Johannes Wagner seit Sonntagabend in seinem rechten Bein, mit einer Eisenstange und sechs Nägeln wird der Bruch versorgt. Aber der Frust sitzt natürlich tief, Wagner ist brutalst möglich getroffen: „Vor drei Wochen bin ich 18 geworden und habe mich so auf mein erstes Spiel bei den Herren gefreut − und dann das.“ Der Kirchberger ist sich sicher: „Ich spiele nie wieder Fußball“, schwört er.

 „Das war irgendwie eine Trotzreaktion“, sagt der Elektriker-Lehrling nach fünf Tagen im Klinikum − und ändert seine Position. „Ich habe am Dienstag das Schalke-Spiel angeschaut und da war ich mir sicher: Ja, ich spiele wieder Fußball.“

 Auch eine besondere Geste bestärkte ihn, dass Fußball doch die richtige Sportart für ihn ist. Am Donnerstag besucht ihn der Haselbacher Torwart Dutschke samt Mitspielern: „Die haben mir einen riesigen Fresskorb mitgebracht und er hat sich bei mir entschuldigt und gesagt, dass es ihm leid tut. Doch er muss sich gar keine Sorgen machen, er kann ja nix dafür“, ist Wagner seinem Gegenpart vom Sonntag nicht mehr gram.

 Zwar darf er seinen rechten Fuß jetzt drei Monate nicht belasten, doch der nächste Termin auf dem Sportplatz ist schon fix. Weil er am Freitag dem Klinikum den Rücken kehren durfte, wird er die Kirchberger beim nächsten Auswärtsspiel moralisch unterstützen. Am Sonntag tritt sein Team in Aicha v.W. an: „Da bin ich dabei, ist doch klar.“ Bis er bei seinem Arbeitgeber, einer großen Sanitärfirma in Passau, wieder vorstellig wird, dauert es wegen der dreimonatigen Zwangspause fürs lädierte Bein noch etwas länger. „Aber mein Meister hat mich im Krankenhaus besucht und mir auch im Namen der Kollegen gute Besserung gewünscht.“

 Johannes Wagner wird also wieder spielen, nach Aussagen der Ärzte allerdings erst im kommenden Frühjahr. Ein Jahr Seitenlinie nach dem ersten Seniorenspiel, das ist wohl die größte Strafe für einen jungen Sportler. Wie und ob sein Verein für den Spielabbruch bestraft wird und wie das Spiel letztlich gewertet wird, ist allerdings noch offen.

 Das Sportgericht wird nach Aussage von Hans Dickl, Vorsitzender des Kreissportgerichts Passau, erst in zwei oder drei Wochen entscheiden. Momentan liegt dem Vorsitzenden nur die Stellungnahme der Kirchberger vor, und in einem laufenden Verfahren wolle er keine Aussagen über mögliche Urteile machen. Aber: „Es ist alles möglich und: Es ist ein schwieriges Thema.“


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